Impressionen von der 75-Jahr-Feier am 19.09.2026
Fotos von Henry Lübberstedt
75 Jahre gemeinsam für den Luftsport in Hamburg
75 Jahre Luftsportverband Hamburg – das sind 75 Jahre Vereinsarbeit, ehrenamtliches Engagement, sportliche Erfolge, technische Entwicklung und vor allem Menschen, die ihre Begeisterung für das Fliegen miteinander teilen.
Die Geschichte des organisierten Luftsports in Hamburg reicht dabei noch viel weiter zurück. Bereits 1908 wurde der „Hamburger Verein für Luftschifffahrt“ gegründet, der sich kurze Zeit später in „Hamburger Verein für Luftfahrt“ (HVL) umbenannte.
Diese lange Vorgeschichte soll hier nicht im Einzelnen erzählt werden. Sie gehört aber zu unserer gemeinsamen Geschichte und zeigt, auf welchem Fundament der heutige Luftsport in Hamburg steht.
Ein besonderer Dank gilt deshalb denjenigen, die diese Geschichte aufgearbeitet und bewahrt haben: Heike Capell vom Segelflug-Club Fischbek, Gitta Jünemann vom Hamburger Aero-Club Boberg und Georg Oehme vom Hamburger Verein für Luftfahrt Boberg. Ihre historischen Zusammenstellungen waren eine wichtige Grundlage für diesen Rückblick.
Der Neubeginn nach dem Krieg
Am 17. Mai 1951 trafen sich die Vorstände dreier Hamburger Flugsportgemeinschaften:
Ihr Ziel war die Gründung eines gemeinsamen Landesverbandes im Deutschen Aero Club.
Die Gründungsversammlung war geprägt von einem sachlichen und konstruktiven Austausch. Die Beteiligten einigten sich darauf, die Gründung des Landesverbandes dem Präsidium des Deutschen Aero Clubs mitzuteilen.
Zum ersten Präsidenten wurde Direktor Wachtel von der Hamburger Flughafengesellschaft gewählt. Vizepräsident wurde Direktor Benckendorf vom Meteorologischen Amt Hamburg.
Auch die Fachbereiche waren von Anfang an breit aufgestellt: Segelflug, Modellflug, Ballonflug und Motorflug gehörten dazu.
Die Satzung des Landesverbandes wurde am 5. Juni 1951 errichtet. Am 5. Februar 1952 erfolgte die erste Eintragung in das Vereinsregister.
Damit war der Grundstein für 75 Jahre gemeinsamer Verbandsarbeit gelegt.
Fliegen mit dem, was da war
Die ersten Jahre waren alles andere als selbstverständlich.
Die Vereine mussten ihr Fluggerät zunächst aus Flugzeugschrott wiederaufbauen. Mit viel Eigenleistung entstanden unter anderem ein „Grunau Baby“ und ein Schulgleiter „SG 38“.
Es waren die ersten beiden Hamburger Flugzeuge nach dem Krieg – und damit eine kleine Sensation.
Am 18. Mai 1952 wurden die beiden Flugzeuge in Fuhlsbüttel getauft. Kein Geringerer als Hamburgs damaliger Bürgermeister Max Brauer übernahm die Taufe. Rund 30.000 Hamburgerinnen und Hamburger sollen die Zeremonie verfolgt haben. Das Hamburger Abendblatt organisierte aus diesem Anlass sogar einen Freiballonstart.
Die Begeisterung für das Fliegen war wieder da.
Boberg – ein Stück Hamburger Luftsportgeschichte
Eine besondere Bedeutung für den Hamburger Segelflug bekam das Gelände in Boberg.
Claus Matthiesen vom Aero Club Hamburg, damals bei der Deutschen Bundesbahn beschäftigt, erreichte Ende 1951 einen bemerkenswerten Vertrag: Für eine Jahresgebühr von gerade einmal 5 DM durfte der Landesverband Hamburg des Deutschen Aero Clubs das der Bundesbahn gehörende Gelände nutzen.
Eigentlich war dort ein Verschiebebahnhof vorgesehen.
Am 8. Juni 1952 begann in Boberg der offizielle Segelflugbetrieb.
Seitdem ist Boberg Heimat des Hamburger Vereins für Luftfahrt und des Hamburger Aero-Clubs Boberg, der aus der Segelfluggruppe des damaligen Aero Club Hamburg hervorging.
Die ersten Segelflugzeuge mussten zunächst in Bremen eingeflogen werden. Die Werkstatt befand sich in Bahrenfeld auf dem heutigen DESY-Gelände. Die Motorflieger waren in Fuhlsbüttel zuhause.
So entwickelte sich Schritt für Schritt eine eigene Hamburger Infrastruktur für den Luftsport.
Neue Wege für die einzelnen Sparten
1955 wurde der Motorflug in der Bundesrepublik Deutschland wieder erlaubt.
In der Folge entwickelten sich die verschiedenen Sparten zunehmend eigenständig. Ballonfahrer, Modellflieger und Motorflieger gründeten eigene Vereine. Einige dieser Vereine waren früher Mitglied im Luftsportverband Hamburg, sind inzwischen aber eigene Wege gegangen.
Heute ist unter anderem der Aero Club Hamburg Motorflug e.V. wieder Mitglied im Landesverband und fliegt in Uetersen/Heist.
Auch der Segelflug hat sich in Hamburg weiterentwickelt.
Der Segelflug-Club Fischbek e.V. ist in der Fischbeker Heide zuhause. Der dortige Flugplatz wird bereits seit 1910 für den Luftsport genutzt. Am 24. August 1952 fand dort der erste Nachkriegsflug statt.
Am 3. Juli 1964 schlossen sich zwei dort aktive Segelflugvereine – die Interessengemeinschaft Segelflug Neugraben und der Aero Club Harburg – zum heutigen Segelflug-Club Fischbek zusammen.
Auch die Akademische Fliegergruppe Hamburg e.V. hat eine lange Verbindung zum Verband. Ende der 1950er Jahre war die Akaflieg Mitglied im damaligen Aero Club Hamburg und flog in Boberg. Heute ist sie vom Flugplatz Neu Gülze in Mecklenburg-Vorpommern aus aktiv.
Hamburger Segelflug – Erfolge, die Geschichte schrieben
75 Jahre Verbandsarbeit sind auch 75 Jahre sportliche Erfolge.
Hamburger Segelflieger haben bei nationalen und internationalen Wettbewerben Maßstäbe gesetzt.
Heinz Huth
1960 wurde Heinz Huth in Köln-Butzweilerhof Weltmeister in der Standardklasse auf einer K6.
Drei Jahre später, 1963, gelang ihm in Argentinien erneut der Weltmeistertitel.
Klaus Tesch
1972 stellte Klaus Tesch mit einem Zielstreckenflug von Boberg nach Ancenis in Frankreich über 1.054 Kilometer einen bis heute gültigen deutschen Klassenrekord auf.
Holger Karow
Eine weitere außergewöhnliche Erfolgsgeschichte schrieb Holger Karow.
Er wurde:
1.000 Kilometer von Boberg
2016 gelang Jan Umlauf und Sebastian Huhmann ein weiterer Meilenstein.
Sie flogen die ersten beiden angemeldeten 1.000-km-FAI-Dreiecke mit einem Startplatz nördlich der Elbe von Boberg aus.
Jan Umlaufs Flug wurde von der FAI als deutscher Klassenrekord in der 18-Meter-Klasse anerkannt.
Grenzen, die verschwanden
Für die Hamburger Segelflieger brachte die deutsche Wiedervereinigung einen enormen Zugewinn an fliegerischen Möglichkeiten.
Bis 1989 waren die Lufträume in Richtung Osten für Hamburger Segelflieger weitgehend unerreichbar.
Viele ältere Flieger erinnern sich noch an die ADIZ – Air Defence and Identification Zone entlang der damaligen innerdeutschen Grenze. Für den Segelflug war dieser Bereich tabu.
Mit der Wiedervereinigung eröffneten sich neue Flugräume. Die Thermikstrecken Richtung Berlin und weiter nach Polen wurden für den Hamburger Streckensegelflug erreichbar.
Viele der großen Streckenflüge, die von Hamburg aus gelangen, wären ohne diese neue fliegerische Freiheit kaum denkbar gewesen.
Auch der Modellflug schrieb Rekordgeschichte
Der Luftsportverband steht nicht nur für Segel- und Motorflug.
Auch im Modellflug wurden außergewöhnliche Leistungen erzielt.
Der mehrfache Modellflug-Weltmeister und Flugkapitän Winfried Kaiser stellte unter anderem folgende Rekorde auf:
1968
Fernlenkflug in gerader Strecke über 32 Kilometer
1969
Dauer-Fernlenkflug mit einem Segelflugmodell – fast 18 Stunden in Kampen auf Sylt
1971
Dauer-Fernlenkflug mit einem Wasserflugzeug – mehr als sechs Stunden
1972
Dauerflug mit
Kolbenmotorantrieb – mehr als zwölf Stunden
Diese Leistungen zeigen, wie breit die Tradition des Luftsports in Hamburg immer gewesen ist.
Nachwuchs – die Zukunft des Luftsports
Eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes ist seit Jahrzehnten die Förderung des Nachwuchses.
Bereits 1958 stiftete Wilhelm Krumsiek den Krumsiek-Preis für den erfolgreichsten Hamburger Nachwuchssegelflieger im jährlich ausgeschriebenen DMSt-Wettbewerb.
Seit 1959 wird der Preis regelmäßig vergeben.
Wilhelm Krumsiek war selbst ein erfolgreicher Wettbewerbsflieger, engagierter Fluglehrer und Förderer des Nachwuchses. Seine Familie führt diese Tradition bis heute fort. Nach seinem Tod übernahmen sein Sohn und später seine Enkel Joachim und Manfred die Vergabe und unterstützen damit regelmäßig junge Hamburger Segelfliegerinnen und Segelflieger.
Jugendarbeit bedeutet dabei weit mehr als sportliche Förderung.
Gemeinsame Fliegerlager, Wettbewerbe, Modellflugveranstaltungen und vereinsübergreifende Aktivitäten bringen junge Menschen zusammen. Finanzielle Unterstützung ermöglicht Jugendlichen beispielsweise die Teilnahme an Wettbewerben.
So entsteht Gemeinschaft – und aus Jugendlichen werden die Luftsportlerinnen und Luftsportler von morgen.
Lina und Max – Fliegen beginnt mit Neugier
Ein besonderes Beispiel für die Nachwuchsarbeit ist das von Verbandsmitgliedern entwickelte Experimentierheft „Lina und Max“.
Das für Schulen entwickelte Heft führt Kinder ab der dritten Klasse spielerisch an die Themen Luft und Fliegen heran.
Zahlreiche Experimente, Bauanleitungen für einfache Flugmodelle und ein gestanzter Bastelbogen für einen Gleiter machen aus theoretischem Wissen ein eigenes kleines Flugerlebnis.
Das Konzept hat über Hamburg hinaus Interesse gefunden und wird bis heute auch von anderen Verbänden und Institutionen nachgefragt.
Denn Begeisterung für das Fliegen beginnt oft mit einer einfachen Frage:
Warum fliegt ein Flugzeug eigentlich?
Der Luftsport als Gastgeber
Der Luftsportverband Hamburg ist auch Gastgeber und Mitgestalter großer Veranstaltungen.
1989 fand im Congress Center Hamburg der 48. Deutsche Segelfliegertag statt.
2025 war Hamburg erneut Austragungsort: Im Audimax wurde der 81. Deutsche Segelfliegertag veranstaltet.
Damit wurde eine Tradition fortgesetzt, die zeigt, dass Hamburg nicht nur ein Standort des Luftsports ist, sondern auch ein Ort der Begegnung für Fliegerinnen und Flieger aus ganz Deutschland.
Fliegen für einen guten Zweck
Luftsport kann auch Menschen helfen, die gerade eine besonders schwierige Zeit erleben.
Ein Beispiel ist die Aktion „Flieg dem Krebs davon“.
Kinder, die die Intensivphase ihrer Chemotherapie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf abgeschlossen haben, fliegen gemeinsam mit ihren Familien über Hamburg.
Der Flug steht symbolisch für einen Neubeginn.
Für manche Kinder und Geschwister ist es der erste Flug ihres Lebens. Für viele Familien ist dieser Tag ein Lichtblick nach Monaten der Sorge und Belastung.
Organisiert wird die Veranstaltung vollständig ehrenamtlich. Piloten des Aero Club Hamburg Motorflug e.V. fliegen ohne Honorar. Der Aero Club, die Fördergemeinschaft „Knack den Krebs“ und private Spender sorgen für Essen, Getränke und das Rahmenprogramm.
So wird aus der Freude am Fliegen ein gemeinsames Erlebnis, das anderen Menschen Freude und Zuversicht schenken kann.
Was wir heute tun
Der Luftsportverband Hamburg versteht sich als Dach und Ansprechpartner für den organisierten Luftsport in Hamburg.
Zu seinen Aufgaben gehören insbesondere:
Interessen vertreten
Der Verband vertritt Hamburg im Deutschen Aero Club e.V. und ist Ansprechpartner für die Hamburger Luftsportvereine.
Gemeinschaft fördern
Vereinsübergreifende Fliegerlager, sportliche Wettbewerbe, Gemeinschaftsveranstaltungen und die gemeinsame Würdigung sportlicher Erfolge verbinden die Vereine.
Nachwuchs unterstützen
Die Jugendförderung ist ein besonderer Schwerpunkt. Junge Menschen werden bei Ausbildung, Wettbewerben und gemeinsamen Aktivitäten unterstützt.
Wissen vermitteln
Der Verband organisiert und unterstützt Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen – von Fluglehrerfortbildungen über technische Lehrgänge bis zur Jugendbildung.
Zusammenarbeit über Hamburg hinaus
Der Luftsport endet nicht an der Stadtgrenze. Der Verband arbeitet mit anderen norddeutschen Luftsportverbänden zusammen und beteiligt sich an gemeinsamen Veranstaltungen wie dem Pilotentag Nord.
Ansprechpartner für Institutionen
Der Verband ist Ansprechpartner für Behörden, Institutionen und Verbände, unter anderem für Fragen des Umweltschutzes, des Luftrechts, des Luftraums und des Sports.
Ehrenamt – das Fundament des Luftsports
Was den Luftsport in Hamburg seit Generationen trägt, ist das Ehrenamt.
Die Ausbildung bis hin zu den gesetzlich erforderlichen Lizenzen erfolgt in den Mitgliedsvereinen weitgehend ehrenamtlich.
Auch die Wartung und Pflege der Flugzeuge wird – soweit gesetzlich möglich – von Vereinsmitgliedern selbst übernommen. Dabei gelten selbstverständlich die gesetzlichen und technischen Vorschriften, die einen sicheren Flugbetrieb gewährleisten.
Das gemeinsame Arbeiten an Flugzeugen vermittelt Verantwortung, technisches Verständnis, Genauigkeit und Disziplin.
Gerade für junge Menschen können diese Erfahrungen wertvoll sein – und nicht selten entstehen daraus berufliche Perspektiven in technischen oder luftfahrtbezogenen Berufen.
Ein Sport für Generationen
Die Hamburger Luftsportlerinnen und Luftsportler bilden einen Querschnitt unserer Gesellschaft.
Der Luftsport verbindet Menschen mit unterschiedlichen Berufen, Interessen und Lebenswegen.
Ob Segelflug, Motorflug oder Modellflug – viele Menschen können sich den Traum vom Fliegen innerhalb der Gemeinschaft eines Vereins erfüllen.
Voraussetzung ist vor allem eines: die Bereitschaft, Zeit zu investieren und Verantwortung zu übernehmen.
Und Luftsport kennt keine enge Altersgrenze. Er kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden.
Das Vereinsleben verbindet dabei Generationen: Junge lernen von Erfahrenen, erfahrene Fliegerinnen und Flieger geben ihr Wissen weiter, und gemeinsam wird die nächste Generation aufgebaut.
75 Jahre – und kein bisschen müde
Wenn wir heute auf 75 Jahre Luftsportverband Hamburg zurückblicken, sehen wir nicht nur Flugzeuge, Rekorde und Wettbewerbe.
Wir sehen vor allem Menschen.
Und Menschen, die nach Feierabend gemeinsam am Flugplatz sitzen und über das Fliegen sprechen.
Der Luftsport ist deshalb mehr als eine Sportart.
Er verbindet Technik und Natur, Leistung und Freizeit, Verantwortung und Freude, Tradition und Zukunft.
Wir sind eine Gemeinschaft, die ihre Aufgaben mit dem nötigen Ernst erledigt – und dabei den Spaß nicht verliert.
Auf die nächsten 75 Jahre!
75 Jahre Luftsportverband Hamburg sind Anlass, dankbar zurückzublicken.
Aber ein Jubiläum ist immer auch ein Blick nach vorn.
Die Aufgaben werden nicht weniger: Die Sicherung von Flugplätzen und Lufträumen, der Dialog mit Umwelt- und Verkehrsbehörden, die Nachwuchsgewinnung, technische Entwicklungen und neue Anforderungen an einen nachhaltigen Luftsport werden uns auch in Zukunft beschäftigen.
Dabei können wir auf etwas bauen, das sich in 75 Jahren immer wieder bewährt hat:
Gemeinschaft.
Wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Wissen weiterzugeben und gemeinsam für ihre Leidenschaft einzustehen, dann hat der Luftsport Zukunft.
Deshalb gilt heute unser Dank allen, die den Luftsport in Hamburg in den vergangenen 75 Jahren geprägt haben.
Und unser Wunsch für die Zukunft ist einfach:
Dass auch in den kommenden Jahrzehnten Menschen in Hamburg den Blick zum Himmel richten, neugierig werden und sagen:
„Das möchte ich auch einmal ausprobieren.“
75 Jahre Luftsportverband Hamburg e.V. 1951–2026
Auf die nächsten 75 Jahre Luftsport in Hamburg!
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